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Weimar
(dpa) - Deutschland ist beim Kampf gegen Kindesmissbrauch
nach Expertenmeinung im internationalen Vergleich ein "Entwicklungsland".
Sozialarbeitern,
Ärzten und Juristen fehlten fachliches Wissen und praktische
Erfahrungen im Umgang mit misshandelten Kindern, sagte der
Kinderpsychologe Tilmann Fürniss heute in Weimar. Fürniss
ist Ehrenpräsident der Deutschen Gesellschaft gegen Kindesmisshandlung
und -vernachlässigung, die in Weimar einen dreitägigen Kongress
mit 450 Teilnehmern veranstaltet. Keine verlässliche Statistik
in Deutschland Jährlich nimmt die Polizei den Angaben zufolge
etwa 1500 Anzeigen wegen körperlicher und 13 000 bis 15 000
Anzeigen wegen sexueller Misshandlung auf. Etwa 10 bis 20
Prozent aller Mädchen und 5 bis 10 Prozent der Jungen hätten
ungewollt Körperkontakt. In Deutschland gebe es jedoch im
Gegensatz zu den USA, Großbritannien oder den Niederlanden
keine verlässliche Statistik, sagte Fürniss. "Es ist
eine Pflicht der Gesellschaft, misshandelten Kindern zu helfen,
und kein Hobby", erklärte Fürniss. Große Teile der eigentlich
staatlichen Aufgaben würden heute noch von Privatinitiativen
übernommen.
Die Bielefelder
Professorin Edith Burger forderte mehr Zivilcourage von Sozialarbeitern.
Wenn Hinweise auf Missbrauch vorlägen, müsse notfalls auch
die Polizei informiert werden. Eines der dringendsten Probleme
ist nach Ansicht der Experten die Weiterbildung. Vor allem
in der Jugendhilfe bestehe Nachholbedarf. Lebenslange Folgen
für die Opfer Kindesmissbrauch und -vernachlässigung seien
massive gesundheitliche und menschenrechtliche Probleme, betonten
die Fachleute.
Nach Untersuchungen
in den USA würden die lebenslangen Folgen von Misshandlungen
mehr als 500 000 Dollar (rund 560 000 Euro) pro Betroffenem
kosten. Die Wissenschaftler, Sozialpädagogen, Psychologen,
Ärzte und Juristen wollen (...) über Risiken und Schutzmöglichkeiten
für Kinder und Jugendliche beraten.
Dabei
werden auch Projekte mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen
oder mit jungen Tätern vorgestellt. "Diese jugendlichen Täter
haben häufig eigene Missbrauchserfahrungen gemacht und wollen
durch die Taten ihre eigene Ohnmacht überwinden", sagte Burger.
Immer
mehr Kinder unter 14 Jahren seien für sexuelle Übergriffe
verantwortlich.
18.04.2002
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