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VON PIERINA
HASSLER UND CLEMENS STUDER
ZÜRICH – Da tun sich Abgründe auf: 1300 Schweizer
Männer stehen im Verdacht, im Internet kinderpornografische
Bilder gekauft zu haben.
In 24 Kantonen führt die Polizei Razzien durch, über 500 Pädophile
bekamen schon Besuch von den Fahndern. Und diese wurde auch
fündig. Am schnellsten handelte der Kanton Solothurn:
Dort sind bereits ein Primar- und ein Musiklehrer, ein Schulpsychologe
und ein Untersuchungsrichter vom Dienst suspendiert. Die übrigen
Kantone halten sich bedeckt. Doch BLICK weiss: Auch Ärzte
und Anwälte stehen unter Verdacht.
Die Ermittler gehen systematisch eine Liste durch,
die sie von der US-Bundespolizei FBI bekommen haben. Darauf
stehen 1300 Schweizer, die bei der US-Firma «Landslide Productions»
abscheuliche Kindersex-Bilder gekauft haben. Die Fahnder sind
überzeugt: Viele haben nicht nur Bilder und Videos angeschaut,
sondern auch Kinder missbraucht.
Die Razzien führen in die besten Kreise
ZÜRICH – Von Romanshorn bis Genf klopfen
Fahnder an noble Haus- und Büro-Türen. Sie jagen 1300 Schweizer
Pädophile aus den besten Kreisen. Computer um Computer transportieren
sie ab, Diskette um Diskette stecken sie in Beweismitteltüten.
In der Schweiz läuft seit Wochen die grösste Aktion gegen
Internet-Pädophile, die es je gab.
So etwas haben die Schweizer Fahnder noch
nie gesehen: Via Interpol erhielten sie von den amerikanischen
Kollegen eine Liste mit 1300 Schweizer Kunden des grössten
je aufgeflogenen Pädophilen-Netzwerks im Internet (siehe Box
unten).
Die Bundespolizei leitete die Liste an die Kantone
weiter. Denn anders als im
Ausland fehlen den Schweizer Bundesbehörden die Mittel
und die Kompetenz, selbst aktiv zu werden.
Folge: Während die einen Kantone schnell
vorwärts machen und mit aller Fahndungsenergie den Pädophilen
auf ihrem Gebiet das Handwerk legen, gehts andernorts um einiges
länger.
Doch schon nach weniger als der Hälfte der angeräumten
Überprüfungen wird das wahre Ausmass des Kinderporno-Sumpfes
in unserem Land sichtbar: Die überwiegende Mehrheit der
Verdächtigen gehören zu den besten Kreisen, sind Leute, denen
man seine Kinder jederzeit anvertraut hätte.
BLICK weiss von Ärzten und Juristen, Lehrern und
Professoren, Richtern und Politikern. Ein geschockter Ermittler:
«Wir wussten ja schon, dass die Schweiz keine pädophilenfreie
Insel ist, doch das übertrifft unsere schlimmsten Befürchtungen.»
Auch wenn sich die Mehrzahl der kantonalen Behörden
mit Verweis auf einen Bundesberner Maulkorb offiziell zugeknöpft
zeigt, brodelt es gewaltig in den jeweiligen Justizapparaten.
Am offensivsten gehen bislang die Solothurner Behörden
mit den von ihnen aufgedeckten Fällen um.
Regierungsrat Walter Straumann (59) gab Ende letzter Woche den Tarif bekannt: Wer sich als öffentlicher
Angestellter im Kinderporno-Netz verheddert hat, wird umgehend
suspendiert.
Untersuchungsrichter und Hobby-Zauberer Markus
Henzi (45) wurde als Erster freigestellt.
Gleich ging es dem Schulpsychologen Dieter A.*, dem
Leiter der Oltner Musikschule August S*. (36) und einem
Bettlacher Primarlehrer. Bei Untersuchungsrichter Henzi
tauchte mittlerweile auch der Verdacht auf, er habe Ermittlungen
gegen Pädophile in seiner Region vorschnell eingestellt. Daran,
dass sich rund 40 Solothurner «Landslide»-Kunden zufällig
auf denselben üblen Internet-Seiten tummelten, mögen die Ermittler
nicht mehr wirklich glauben.
Ein Ermittlungsinsider zu BLICK: «Da werden
noch weitere Eiterbeulen platzen.»
Davon ist auch der Basler Kriminalkommissär Markus Melzl überzeugt:
«Bei uns laufen über zwei Dutzend Verfahren. Wir sind am Sichten
des zahlreichen beschlagnahmten Materials.»
Was die Fahnder von Romanshorn bis Genf besonders
beunruhigt: Bei den Ermittlungen im Ausland sind nicht nur
blosse Kinderpornografie-Besitzer und -Händler aufgeflogen,
sondern auch üble Kinderschänder hinter Gitter gewandert.
*Namen der Redaktion bekannt
FBI übernahm heimlich
das Kinderporno-Portal
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VON
PIERINA HASSLER
ZÜRICH
– Wer auch immer Kinderpornos anbieten wollte,
war bei «Landslide Productions» richtig. Diese sammelte
weltweit Anbieter, vermittelte sie an 300 000 Kunden
rund um den Globus.
Das texanische Ehepaar Thomas (39) und Janice Reedy
(34) gründet «Landslide Productions» 1997. Das Internetportal
– ein Treffpunkt von Käufern und Verkäufern –
wird ein Erfolg. Das Ehepaar verdient sich mit üblen
Bildern eine goldene Nase.
300 000 Abonnenten bezahlen monatlich per Kreditkarte
29.99 Dollar für den Zugang zu Websites mit Kinderpornografie.
Eine dieser Websites heisst «Child Rape» (Vergewaltigung
von Kindern).
Nach zwei Jahren fliegt das Geschäft auf.
Die Reedys werden verhaftet. Zwei Jahre später erhalten
sie die Quittung für ihr widerliches Tun: Thomas Reedy
wird zu 1335 Jahren Zuchthaus verurteilt, seine Frau
zu 14 Jahren. Die Verhaftung von 1999 teilte die
Polizei nie mit. Das FBI bleibt mit «Landslide Productions»
im Internet, das Portal ist weiterhin ein Renner.
Mit diesem cleveren Fahndungstrick gelingt es
den US-Ermittlern, den grössten Kinderporno-Ring aller
Zeiten zu sprengen
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