Vor zehn Jahren erschütterte der Mörder Ronny Rieken die Öffentlichkeit
Strücklingen (ddp). Christina Nytsch könnte inzwischen 21 Jahre alt sein. Vielleicht hätte sie ihre musikalische Leidenschaft zum Beruf gemacht, wenn sie nicht vor zehn Jahren einem grausamen Verbrechen zum Opfer gefallen wäre, das Deutschland erschütterte. Am 16. März 1998 wurde die aus Strücklingen (Kreis Cloppenburg)
stammende Elfjährige, Nelly genannt, von dem arbeitslosen Binnenschiffer Ronny Rieken ermordet. Der damals 30-Jährige aus dem Nachbarort Elisabethfehn lauerte Nelly auf, die mit dem Fahrrad auf dem Heimweg vom Schwimmbad war. Er missbrauchte, erdrosselte und verscharrte sie.
Fünf Tage nach ihrem Verschwinden wurde Christinas Leiche in einem 25 Kilometer entfernten Waldstück gefunden. Aus dem tragischen Tod der Elfjährigen entwickelte sich einer der spektakulärsten Mordfälle der deutschen Nachkriegsgeschichte. Erst durch den bundesweit ersten Massengentest kam die 80-köpfige «Soko Nelly» Rieken auf die Spur.
Zwei Monate nach der Festnahme gestand der dreifache Familienvater auch den Mord an der seit 1996 vermissten Ulrike Everts aus dem ammerländischen Jeddeloh. Das Landgericht Oldenburg verurteilte ihn wegen Mordes in zwei Fällen zu einer lebenslangen Haftstrafe und stellte dabei eine besondere Schwere der Schuld fest. Heute sitzt Ronny Rieken in der Justizvollzugsanstalt Celle.
Erinnerung durch hölzernes Mahnmal
Der Mordfall bewegt die 3000 Einwohner Strücklingens noch heute. Nelly wird immer in unserer Erinnerung bleiben und wir werden ihr im Stillen gedenken.» Wachgehalten wird die Erinnerung durch ein hölzernes Mahnmal an der Eschstraße. Dort hatte Rieken das Mädchen vom Fahrrad gerissen. «Zur Erinnerung an Nelly und an alle anderen Kinder, die durch fremde Hand aus der Blüte ihres Lebens gerissen wurden», steht dort. Darunter lehnt ein Porträt von Nelly.
Nellys Eltern konnten die ständige Erinnerung nicht ertragen. Vater Manfred war Dirigent im örtlichen Musikverein, seine Tochter gehörte zum Ensemble. Nach dem Mord blieb ihr Platz leer. Die Eltern zogen zurück in die Nähe von Berlin. Von dort waren sie rund sieben Jahren zuvor mit ihrem einzigen Kind nach Strücklingen gekommen.
Mehr als 5000 Polizisten, Rettungskräfte und Freiwillige suchten 1998 fünf Tage lang erfolglos nach dem Kind. Jäger fanden dann die Leiche in Lorup. Zwei Monate verlief die Suche nach dem Mörder erfolglos. Der bis dahin größte Gentest in der deutschen Kriminalgeschichte an 18 000 Männern im Alter zwischen 16 und 30 Jahren aus der näheren Umgebung galt als letzte Hoffnung der Ermittler.
Dem widerspricht der damalige «Soko»-Leiter Peter Hochgartz heute energisch: «Der DNA-Test war eine von vielen Maßnahmen und hatte vor allem mit betriebswirtschaftlichen Aspekten zu tun», erläutert er. Sein Team habe Tausende Hinweise verfolgen müssen. «Allen Spuren im Einzelfall nachzugehen, hätte viele Monate gedauert. Mit dem Gentest konnten wir das auf einen Schlag erledigen», fügt Hochgartz hinzu.
Keine Ausrede für Absage des Speicheltests
Unter den Männern, die freiwillig ihre Speichelprobe abgaben, war auch Ronny Rieken. Seine eigene Familie hatte verabredet, gemeinsam zum Test zu gehen. «Ronny Rieken ging hin, weil ihm so schnell keine Ausrede eingefallen ist», sagt Hochgartz. Ihm selber habe die Aufklärung des Falls viel Wissen und Erfahrung gebracht. «Es war unser größter Fall. Mich und meine Truppe kann seitdem nichts mehr so leicht umhauen», sagt Hochgartz, der heute bei der Polizeiinspektion Cloppenburg/Vechta für Morddelikte zuständig ist.
Riekens damaliger Strafverteidiger Rolf Sauerwein macht sich seit der Verurteilung seines Mandanten vor allem Gedanken um dessen Frau und drei Kinder. Die Familie wohne immer noch in der Region, sagt Sauerwein. «Der Kleinste ist heute zwölf Jahre alt und bekommt mit, was damals passiert ist», sagt der Anwalt. Dass Rieken jemals wieder freikommt, glaubt er nicht. Kein Sachverständiger könne es sich derzeit leisten, Rieken «wieder auf die Menschheit loszulassen».
15.03.2008 Sab, E110.de
******
Il y a 10 ans, le meurtrier Ronny Rieken bouleversait l'acutualité.
Le 16 mars 1998, Christina Nytsch, appelée alors "Nelly" et habitant Strücklingen (district deCloppenburg), n'avait que 11 ans lorsqu'elle a été agressée, violée, étranglée puis enterrée à une vingtaine de kilomètres du lieu de l'agression. Le cadavre de la jeune fille a été retrouvé par des chasseurs 5 jours plus tard, malgré l'engagement de 5000 policiers, de services de sauvatege et de particuliers bénévoles.
Ce n'est que grâce à la première mise sur pied d'une énorme collecte d'échantillons génétiques (ADN), sur tout le territoire allemand 18.000 hommes, âgés entre 16 et 30 ans), que la commission spéciale, en charge du dossier de "Nelly" a pu mettre la main sur Rieken.
Deux mois après son arrestation, cet homme de 30 ans, père de trois jeunes enfants, a avoué un deuxième meurtre: Celui d'Ulrike Everts, de Jeddeloh, disparue depuis 1996.
Sa mémoire est honorée par un monument en bois, où figure son portrait et l'inscription:" En souvenir de Nelly et de tous les autres enfants arrachés à la vie à la fleur de l'âge par une main criminelle".
Rieken ne sera probablement jamais à nouveau libre, ses propres enfants sont en âge d'apprendre ce qui s'est passé, voilà 10 ans...
Trad. de FREDI