Dernière mise à jour :
07/03/2007


Mitja's Mörder fünfmal vorbestraft! / Le meurtrier de Mitja, 9ans, est un récidiviste.

Eine Woche nach dem gewaltsamen Tod des neunjährigen Mitja aus Leipzig ist der mutmaßliche Mörder gefasst. Wie die Polizei mitteilte, hat der 43-jährige Uwe K. in der Nacht zum Donnerstag versucht, sich das Leben zu nehmen. Er habe sich in Schkeuditz, im Norden von Leipzig, gegen 00:45 Uhr vor eine Straßenbahn geworfen und sei schwer verletzt worden. Nach Angaben des Krankenhauses, in dem er behandelt wird, ist er außer Lebensgefahr. Der mehrfach vorbestrafte Mann soll Mitja am vergangenen Donnerstag sexuell missbraucht und anschließend erstickt haben. Die Leiche des Jungen war in der Gartenlaube von Uwe K. entdeckt worden.
Aussage verweigert
Den Selbstmordversuch beging der mutmaßliche Täter etwa 200 Meter von der Laube entfernt. Wie ein Polizeisprecher sagte, hatte er an den Gleisen gehockt und war dann vor die herankommende Bahn gesprungen. Die Straßenbahn sei zu diesem Zeitpunkt etwa 40 Stundenkilometer schnell gefahren. Trotz Vollbremsung sei der Mann etwa 15 Meter mitgeschleift worden. Der Fahrer habe Uwe K. sofort erkannt und die Polizei gerufen.

K. wird jetzt unter strenger Überwachung in einem Leipziger Krankenhaus behandelt. Nach Angaben des Krankenhauses ist sein Zustand kritisch. Er liegt auf der Intensivstation, ist aber nicht in Lebensgefahr. In einer ersten Vernehmung schwieg er nach Angaben der Leipziger Staatsanwaltschaft zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen. Er habe sich auf sein Aussageverweigerungsrecht berufen, teilte die Behörde am Abend mit.
Lob, aber auch Kritik für Leipziger Polizei
Polizeipräsident Rolf Müller sagte am Donnerstagmorgen, dass der Tatverdächtige gefasst wurde, sei ein Erfolg der massiven öffentlichen Fahndung. "Er wusste nicht mehr weiter und hat dann die Flucht selbst beendet." Die Teamarbeit von Polizei, Bevölkerung und Medien habe den Gesuchten nie zur Ruhe kommen lassen. In den vergangenen Tagen habe es über 200 Hinweise gegeben, denen mehr als 100 Polizisten rund um die Uhr nachgegangen seien. Der Selbstmordversuch sei aber so nicht vorhersehbar gewesen.

Sachsens Innenminister Albrecht Buttolo (CDU) dankte am Donnerstag den eingesetzten Kräften der Polizei sowie der Bevölkerung. "Ich bin unendlich froh, dass der hohe Fahndungsdruck unserer Einsatzkräfte nun dazu geführt hat, Mitjas mutmaßlichen Mörder zu fassen", erklärte Buttolo. Das professionelle Handeln der Polizei in Verbindung mit wertvollen Hinweisen aus der Bevölkerung seien Grundlage dieses Erfolgs gewesen.

Der Wiesbadener Kriminalforscher Egg kritisierte indessen das Vorgehen der Leipziger Polizei und sprach von einer Treibjagd. Dadurch sei ein Mensch, der lediglich verdächtig sei, zum Selbstmord-Versuch getrieben worden. Egg sagte, Deutschland sei keine Bananen-Republik, wo ein Verdacht eine Art Vogelfreiheit bedeute.
 
Fahndung auch in Sachsen-Anhalt
Am Mittwoch hatte die Polizei die Suche im Norden und Nordwesten von Leipzig erneut verstärkt und auch auf Sachsen-Anhalt ausgedehnt. Ein Großaufgebot an Polizisten durchkämmte die Gegend rund um den Tagebausee Goitzsche im Landkreis Bitterfeld. Suchtrupps waren auch in der Ortschaft Holzweißig unterwegs. Der Flüchtige ist in der Region aufgewachsen und hat dort noch familiäre Bindungen.
Mehrfach vorbestraft
Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, ist Uwe K. bereits fünfmal wegen sexuellen Kindesmissbrauchs verurteilt worden. Zuletzt musste er 1998 zwei Jahre ins Gefängnis, weil er versucht hatte, einen Elfjährigen zu vergewaltigen. Nach seiner Entlassung wurden Bewährungsauflagen angeordnet, die aber 2005 endeten.
 
Bund will Sexualstraftäter schärfen überwachen
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) forderte indes eine kritische Überprüfung "aller Aspekte des Umgangs mit Sexualdelikten und Sexualstraftätern". GdP-Chef Konrad Freiberg sprach sich für ein Qualitätssicherungssystem für die Begutachtung und Überwachung von Tätern aus. Außerdem müssten die Behörden ihre Daten austauschen. Absoluten Schutz gebe es aber nicht, meinte Freiberg.

Die Bundesregierung will die Überwachung gefährlicher Straftäter rasch verbessern. Justizministerin Zypries sagte MDR INFO, man arbeite schon seit längerem an einem Gesetzentwurf. Vorgesehen sei, die Führungsaufsicht für gefährliche Täter nach der Haftentlassung zu verlängern. Zudem sollten die Gerichte mehr Möglichkeiten erhalten, Auflagen wie Kontaktverbote zu verhängen. Die Ministerin rief zugleich zu Sachlichkeit in der Debatte auf. Auch die Rechte von Straftätern müssten respektiert werden.