Trier (ddp-rps). Der Fall «Tanja Gräff» bleibt vorerst ungelöst.
Mehr als 18-monatige intensive Ermittlungen der Trierer Kriminalpolizei und die damit verbundene größte Fahndungsaktion in
der Region führten zu keinem Erfolg. Das Schicksal der 21-jährigen Studentin aus Korlingen (Kreis Trier-Saarburg), die seit Juni 2007 nach dem Besuch eines Sommerfestes der Fachhochschule (FH) Trier vermisst wird, konnte nicht geklärt werden. Eine 60-köpfige Sonderkommission (SoKo) wurde bereits im Januar 2008 aufgelöst und durch eine Ermittlungskommission (EK) ersetzt. Ende dieser Woche beendete nun auch die EK ihre Arbeit. 15 Beamten, die letzte Spuren überprüften, gehen dann zurück in ihre Fachkommissariate.
Die Ermittler gingen mehr als 2300 Hinweisen nach - davon rund 800 konkreteren Spuren -, werteten etwa 5000 Bilder von Besuchern des Sommerfestes aus und führten Such- und Tauchaktionen in Seen und in der Mosel durch. Der engere Freundeskreis von Tanja wurde sogar mehrmals überprüft. Es sei alles abgearbeitet, sagt EK-Chef Christian Soulier: «Leider ohne gewünschtes Ergebnis, und das ist schon frustrierend». Vor allem der fehlende Tatort und ein fehlender Leichenfundort hatten der Kripo Probleme bereitet. «Wir konnten ja keine Theorie ausschließen und gezielt in eine Richtung ermitteln», bedauert Soulier. Eine weitere Arbeit der EK wertet er als «personell nicht mehr vertretbar».
Die Hoffnung stirbt zuletzt
«Die Auflösung der Kommission hat für uns so etwas Endgültiges», sagt Tanjas Vater Karl-Hans Gräff. Natürlich habe er Verständnis dafür, dass die Polizei nach eineinhalb Jahren, in denen nichts gefunden wurde, so handelt. Doch bleibe das für ihn und seine Frau eine ganz schwere Situation. «Wir haben ja immer noch ein Fünkchen Hoffnung, dass Tanja gefunden wird». Jetzt komme automatisch der Gedanke, dass in dem Fall nun nichts mehr getan werde.
Das jedoch ist nicht ganz richtig. Die Akte «Tanja Gräff» wandert jetzt in den sogenannten «Akutschrank» der Trierer Mordkommission. Dort sitzen wiederum Beamte, die den Fall aus ihrer Soko- und EK-Mitarbeit kennen und jeder neuen Spur nachgehen werden.
Zufall muss weiterhelfen
Dass das schwierig wird, weiß auch der Chef der Mordkommission Bernd Michels. Gesucht werde in dem Fall ja nicht nur »die Nadel im Heuhaufen« sondern erst einmal »der Heuhaufen selbst», gibt Michels zu Bedenken. Es gebe zwar eine große Ermittlungsbasis, doch letztlich sei man auf «Kommissar Zufall» angewiesen, fügt EK-Chef Soulier hinzu.
Das gilt auch für andere Kapitalverbrechen, die noch im Trierer «Akutschrank» lagern. Seit dem Jahr 1982 wird beispielsweise die 18-jährige Lolita Brieger aus Jünkerath vermisst. Ungeklärt ist die Ermordung eines 20-jährigen Gerolsteiners, der im gleichen Jahr halb verbrannt in einer Lavagrube entdeckt wurde, ebenso wie drei Morde an Prostituierten: 1984 bei Ehlenz im Kreis Bitburg-Prüm, 1994 im Trierer Eros-Center und 2003 auf einem Autobahnrastplatz bei Schweich.
Ältester Fall von 1983
Keine konkrete Spur vom Täter gibt es laut Michels zudem in den Fällen einer 1989 in Trier erstochenen Frau und einer vor sieben Jahren gefundene Leiche an der Autobahn 60 bei Prüm. Hinzu kommen ein erschlagener 54-jähriger Spediteur in Mehren (2005) sowie ein toter Säugling, der im Jahr 1990 in der Toilette eines Trierer Cafés entdeckt wurde. Auch ein Schädel mit zwei Löchern, vor mehr als 25 Jahren bei Speicher gefunden, bleibt rätselhaft.
«In vielen dieser Fälle haben wir Beweismaterial gesichert», sagt Michels. Mit heutiger Technik und DNA-Abgleichen könnten Täter auch noch nach Jahrzehnten gefasst werden. Vorausgesetzt, sie fielen durch andere oder ähnliche Delikte auf. Entsprechende Erkenntnisse würden laufend bundes- und sogar europaweit über das Bundeskriminalblatt abgeglichen. «Wir vergessen die alten Verbrechen ebenso wenig wie den Fall Tanja Gräff», betont Michels: «Sie verjähren nicht und können
sofort wieder aufgerollt werden.»
18.01.2009 Ta, e110.de
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